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Klassiker aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: -, -, - Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Erstmalig erschienen 1877. Ein Auszug: [...] Die Besitzung des Oheims liegt fast eine Fahrstunde von der Eisenbahnstation entfernt in einer paradiesischen Gegend. Ringsum erheben sich bewaldete Hügel und Berge, von deren Dunkel sich sanft ansteigende lichte Wiesen abheben, auf denen leichtsinnige Fohlen weiden und sich austoben und die Kühe nachdenklich die rothen und gelben Blumen fressen und nur manchmal besorgt den Kopf nach ihrem Schweife umwenden, wie Hofdamen, die sich umsehen, ob ihre Schleppe gut auf den Boden fällt. Im§Hintergrunde aber schauen gefurchte Felsschroffen ernst zum blauen Himmel auf. Vom Waldessaume herab winden sich durch die Wiesen schmale Rinnsale, deren leise murmelnde Wässer dem Bache zueilen, der zwischen dem Schlosse und dem Dorfe rauschend dahinfließt. Wälder, Berge, rauschende Wasser, hinter jedem Hause ein Düngerhaufen und nur manchmal ein Gensdarm - kann man von einem Paradiese mehr verlangen? Aber was ist ein Paradies ohne Schlange, die Einen zur Sünde verführt? Ich habe noch kein hübsches Bauernmädchen hier gesehen, und wenn ich nicht jeden Tag meiner gottesfürchtigen Tante die Hand küßte, würde ich das Küssen ganz verlernen, das mich doch so viel Zeit und so schwere§Soupers gekostet hat. Das Schloß hat mein Urgroßvater im vorigen Jahrhundert erbaut und aus dieser Zeit stammt auch die ganze Einrichtung desselben, die aber noch immer den Eindruck größerer Jugendlichkeit macht als die weibliche Dienerschaft. Es ist ein weitläufiges Gebäude mit zwei Thürmen und einer so großen Anzahl von Fenstern, daß mindestens vierzig Personen, die durch§den Aufenthalt im Schlosse lebensüberdrüßig geworden sind, gleichzeitig herausspringen können. Es liegt mitten in einem großen Gartenpark, in dessen Alleen sich einige griechische Götter langweilen, deren nähere Betrachtung jetzt durch übertünchte blecherne Feigenblätter, die der Oheim an den passenden oder vielmehr unpassenden Stellen anbringen ließ, auch dem schamhaftesten Auge ermöglicht worden ist. Ich habe gleich am ersten Tage meines Aufenthaltes mich in der Malerei geübt, indem ich auf diese leeren Feigenblätter das Wappen unseres Hauses, das doch sonst nirgends fehlt, mit rother Farbe gemalt und auch unsere schöne Devise: Abstine anzubringen nicht versäumt habe. [...]
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