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Es gibt Reiche, die fallen, und Reiche, die sich verwandeln. Byzanz gehort zur zweiten Art - ein Staatswesen, das die Katastrophen des 7. Jahrhunderts, die Koalitionen des 9. und die Kreuzzugsgewalt des 12. Jahrhunderts uberstand, weil es nicht auf Konservierung setzte, sondern auf intelligente Anpassung. Fur den europaischen Betrachter ist Byzanz oft ein Randphanomen zwischen Antike und Renaissance. Wer es ernst nimmt, stot auf einen anderen Befund: eine Zivilisation, die Europa bis heute pragt - in seinen Rechtssystemen, seinem Gelddenken und seinem diplomatischen Erbe. Justinians Corpus Juris Civilis war kein burokratisches Ordensprojekt. Es war eine politische Entscheidung von generationenubergreifender Tragweite: die Umwandlung des gelebten Rechts der romischen Welt in ein kodifiziertes System, das nicht von Kaisern abhing, sondern von Institutionen getragen werden konnte. Das kanonische Recht der mittelalterlichen Kirche, das Zivilrecht Frankreichs, die Rechtstraditionen Italiens, Spaniens, Portugals und der iberoamerikanischen Welt - alle gehen auf diesen Moment justinianischer Gesetzgebung zuruck. Recht war in Byzanz kein Verwaltungsakt. Es war die Grammatik der Kontinuitat. Die Verteidigung des Reiches gegen nomadische Presssionen - von den Awaren bis zu den Petschenegen - war keine Geschichte glorioser Feldschlachten.
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