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Vers und Prosa als gebundene und ungebundene Rede sind Grundprinzipien sprachlicher Gestaltung, die in ihrer Komplementaritat bislang noch erstaunlich selten behandelt worden sind. Weit intensiver wurde das Gegensatzpaar Poesie und Prosa bedacht, das spatestens seit dem 18. Jahrhundert als Beschreibungsmatrix dominiert. Die weitgehend getrennten Forschungsimpulse einerseits zur Prosa, andererseits zum Vers fuhrt das literaturwissenschaftliche Symposion zusammen, um sie zur Theorie und Geschichte einer produktiven Beziehung zu verbinden. Erst in der Zusammenschau, zumal in der Kreuzung unterschiedlicher Literaturen und Systeme, kann das asthetische Potential von Vers und Prosa kritisch befragt werden. Ziel ist es, mit der Gegenuberstellung von Vers und Prosa hinter die geschichtsphilosophischen Spekulationen, die sich an Poesie und Prosa ausgebildet haben, zuruckzugehen und formale Aspekte starker in den Vordergrund treten zu lassen. Im Mittelpunkt steht dabei die Untersuchung von Mischungs- und Kontrastverhaltnissen, durch die eine vermeintlich stabile Grenze zwischen Vers und Prosa immer wieder neu zur Verhandlung steht.Die Differenzen, Interferenzen und Interaktionen zwischen Vers und Prosa sollen in vier Sektionen untersucht werden. Sektion 1 befasst sich mit Ubersetzungen und Adaptionen, um die historische (In-)Stabilitat der Unterscheidung zwischen Vers und Prosa zu beobachten. In Sektion 2 sollen rhythmische Gestaltungen und Theorien des Rhythmus als produktive Zone der Indifferenz zwischen Prosa und Vers diskutiert werden. Probleme der Textproduktion und der Materialitat werden in Sektion 3 adressiert. Sektion 4 fragt nach den kulturellen, politischen und epistemischen Dimensionen der Vers- und Prosa-Unterscheidung.
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