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Menschen verfugen uber ein plastisches, zeitlebens lernfahiges Gehirn und mussen erst herausfinden, worauf es im Leben ankommt. Deshalb sind und bleiben wir Suchende. Aber allzu leicht konnen wir uns auf der Suche nach einem glucklichen und sinnerfullten Leben auch verirren, als Einzelne ebenso wie als ganze Gesellschaft. Sobald wir zu spuren beginnen, dass wir auf Abwege geraten sind, bekommen wir Angst. Und das ist gut so. Die Angst ist unser wachsamster Begleiter. Sie ermoglicht es uns, aus Fehlern zu lernen. Ohne Angst konnen wir nicht leben. Mit seiner langjahrigen Erfahrung auf dem Gebiet der Angstforschung geht der Neurobiologe Gerald Huther in diesem Buch der Frage nach, wie sich diese, unser Leben schutzende Funktion der Angst mit unserer Sehnsucht nach einem angstfreien Leben vereinbaren lasst. Seine uberraschende Antwort: Menschen konnen auch lernen, berechtigte Angste zu ignorieren. Sie konnen sogar die Erfahrung machen, dass sich eine tief in ihnen spurbare Angst durch eine andere, vordergrundig ausgeloste und besser kontrollierbare Angst uberlagern lasst. Um bestimmte Ziele zu erreichen, sind wir Menschen in der Lage, Angst sowohl zu unterdrucken wie auch zu verstarken nicht nur bei uns selbst, sondern noch viel wirkmachtiger bei anderen. Das Schuren oder Beschwichtigen von Angst ist also gezielt zur Durchsetzung eigener Interessen und Absichten einsetzbar. Diese Instrumentalisierung der Angst macht Menschen abhangig und manipulierbar, beraubt sie ihrer Freiheit. Entsprechend beschreibt Gerald Huther auch nicht, wie wir uns von der Angst befreien, sondern was wir tun konnen, um nicht zu Getriebenen der von anderen oder Interessengruppen geschurten Angste zu werden.
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